7. November 2012

Informationsüberfluss, weniger ist manchmal mehr

Weniger wäre sehr viel mehr “Früher brauchte man Informationen, um ein Problem zu lösen; jetzt sind die Informationen zum Problem geworden“, so Neil Postman (US-Medienwissenschaftler 1931-2003). Wenn es für den Anleger an etwas nicht fehlt, dann sind das Informationen. Rund um die Uhr, 24 Stunden, 7 Tage, wird man mit den neusten Informationen zu Wirtschaftsnachrichten, Marktinformationen und Analysen versorgt. Die elektronischen Medien machen dies möglich. Für viele Anleger gehört es zur Routine, bereits vorm Frühstück sich Marktinformationen via TV oder Internet zu besorgen. Der Informatonsfluss dauert an bis zum Schlafengehen. So ist man zwar wenig ausgeruht, aber “bestens” informiert. Doch ist dies auch eine gute Basis? Gerade die Überversorgung mit News verunsichert eher als das dies zu einer höheren Stabilität führt. Die maximale Information hat nicht zu besseren Anlageentscheiden geführt. Spannend in dem Zusammenhang ist sicherlich, dass der Bestsellerautor Rolf Dobelli von sich behauptet, keine News zu konsumieren (Cicero, Ausgabe 11.2012). Auf der einen Seite liest man seine Bücher, z.B. “Die Kunst des klaren Denkens”, auf der anderen Seite saugt man sich mit News so voll, dass das klare Denken fast gar nicht mehr möglich ist. Mein Tipp: Weniger ist manchmal mehr. Wenn man sich auf Grundlage einer soliden Recherche für eine bestimmte Anlagestrategie entschieden hat, dann sollte man auch dabei bleiben und sich nicht durch kurzfristige News verunsichern lassen. Die persönliche Strategien muss man immer wieder neu anpassen, aber “weniger ist manchmal mehr”.
2. Oktober 2012

Finanzrepression, was ist das?

In den letzten Wochen und Monaten findet man immer öfter in den Medien den Begriff der Finanzrepression oder Finacial Repression. Googelt man den Begriff, findet man allerdings nur verhältnismässig wenige Treffer. Was ist Finanzrepression? Auf den Punkt gebracht ist das der Vermögenstransfer vom Sparer zum Schuldner. Dies geschieht durch verschiedene Massnahmen seitens des Staates, z.B. fiskalische Auflagen, Kapitalverkehrsregelungen und einfach durch die Zinssituation. Als Anleger erzielt man ja derzeit fast weltweit in den entwickelten Staaten nur geringe Zinserträge mit Staatsanleihen, im Durchschnitt um die 2% p.a.. Auf der anderen Seite liegt die Inflationsrate zum Teil deutlich über diesen Werten, so dass der Sparer am Ende des Tages weniger “Wert” in seiner Tasche hat, die Realverzinsung ist negativ! Beispielhaft genant GB, wo man aktuell ein Minus von 1,5 % Realverzinsung hat. Die Staatsanleihe hat sich also zur “renditefreien Risikoanlage” entwickelt. Gibt es Erfahrungen mit der Finanzrepression? Ja. Nach Ende des 2. Weltkrieges hatten die Staaten vergleichbare Schuldenprobleme wie heute. So lag z.B. die Verschuldungsquote in den USA 1945 bei 116 %, heute ja nur unwesentlich darunter. Diese Quote konnte innerhalb von 10 Jahren auf 66 % zurückgeführt werden. Viele Anleger glauben heutzutage übrigens, dass dies nur mit sehr hohen Inflationsraten möglich war und ist. Dem ist aber nicht so! So lag die Durchschnittsrate der Inflation bei vergleichbar geringen 4,6 % in diesen 10 Jahren. Dies sind einfach Rechnungen, sind aber auch sehr gut auf unsere heutige Lage zu übertragen. Was ist aus Anlegersicht zu tun? Sparbuch, Festgeld, Tagesgeld etc. mit festen niedrigen Zinssätzen machen aktuell kaum Sinn. Die Notenbanken haben ja bereits teilweise bis 2015 ein niedriges Zinsniveau angekündigt. Das dies so kommt, kann man annehmen und muss es wohl auch so einplanen. Es sind solide Alternativen gefragt. Unternehmensanleihen mit Zinsaufschlägen, Aktien mit guten Dividenden, Anlagen in den Emerging Markets (egal ob Aktie oder Anleihe), sowie die Anlage in anderen Währungen als den großen 4 machen in den nächsten Jahren Sinn. Die Inflationsrate wird wohl weiter ansteigen, zweistellige Raten sind aber in der nächsten Zeit sicherlich nicht zu befürchten.
25. September 2012

Reich werden im Galopp geht nicht

Viele Anleger träumen davon, mit Hilfe von “heißen Anlagetipps” in kurzer Zeit reich zu werden. Auch die Anlage in den wöchentlichen Lottoschein erscheint vielen recht lukrativ. Doch Lottogewinner sind eher selten, und “Zocker” sind mehr als selten auf den Rennlisten der reichsten Menschen zu sehen. Was sollten Anleger also am Besten tun? Die nach wie vor sinnvollste Anlage neben einer Basis an Liquidität und etwas Gold ist die Anlage in gute, solide Aktienwerte. Damit beteiligt man sich an der wirtschaftlichen Entwicklung. Und die geht trotz ab und an fallender Richtung doch langfristig nach oben. Zu den Kursgewinnen kommen dann noch Dividenden. Trotzdem scheuen viele vor dem Thema Aktien und verteufeln diese Anlageform. Aber durch geschickte Streuung kann man mit Hilfe von Aktien sein Depot-Risiko senken und dennoch die Rendite seines Gesamtportfolios steigern. Monatlich in den Markt mit Sparplänen z.B. einzusteigen, macht nach wie vor viel Sinn. Was ist von der Regel zu halten, “hundert minus Alter = Aktienquote”? Seit langen Jahrzehnten findet man diese Regel immer wieder in den Medien. Doch dies passt nicht auf jeden Anlegertyp. Gerade auch junge Menschen haben doch quasi die einzige Chance, langfristig mit Aktien Geld für die Altersvorsorge zu erwirtschaften. Bis zum Alter von ca 40, 45 Jahre könnte man also auch die Aktienquote gut bei 100 % belassen. Natürlich macht es Sinn, kurz vor Renteneintritt diese Quote zu verringern. Zu beachten sind zusätzlich immer die menschlichen Emotionen. Angst und Gier. Wenn an der Börse Angst herrscht, sollte man eher bereit sein, seine Aktienquote aufzustocken, bei Gier sollte man auch mal an Gewinnmitnahmen denken. Damit dürfte man sehr gut fahren. Welchen Einfluss hat die Schuldenkrise auf die persönliche Depotstruktur, Stichwort Immobilien? Aktuell suchen Anleger Sicherheit in Betongold. Waren vor Jahren noch Mietnomaden, generell das Thema Ärger mit Mietern, welches die Anleger vom Kauf von Immobilien abhielt, so wird derzeit allein der Fokus auf die vermeintliche Sicherheit der Immobilie gelegt. Im alten Rom gab es schon die Aufteilung, 1/3 Liquidität, 1/3 Immobilien und 1/3 Geschäfte. Die Tendenz mancher Anleger, Vermögen zu mehr als 3/4 in heimischen Immobilien zu halten und den Rest in Bargeld, macht nach meiner Einschätzung wenig Sinn. Zu bedenken gilt sicherlich auch, dass gerade der Staat in finanziellen Notsituationen sich am schnellsten an Immobilienbesitzer halten kann. Eine neue Sondersteuer auf Immobilien ist schnell eingeführt. Die Erhöhung der Grunderwerbssteuern in den verschiedenen Bundesländern zeigt dies ja schon an. Fazit: Die Welt hat schon viele Krisen vor der aktuellen Schuldenkrise gesehen, z.B. die beiden Weltkriege. Es ging immer wieder weiter. Das sollte auch nach der aktuellen Krise so sein. Mit einer breiten Vermögensstreuung sollte man vernünftig aufgestellt sein und gut durch die aktuelle schwierige Phase kommen.
14. September 2012

Buy and Hold is dead!?

Kaufen und Halten, ist diese Strategie für den Privatanleger gescheitert? In den vergangenen Jahren konnte man vermehrt lesen, dass die Strategie, gute Aktien zu kaufen und dann liegen zu lassen, gescheitert sei. Nichts konnte man öfter lesen, als das “Buy and Hold” nun endgültig vorbei sei. Banken waren ganz vorneweg mit dieser Einschätzung, da ja gerade Banken von den hohen Tradingumsätzen profitieren; je mehr gehandelt wird, desto höher sind auch die für die Bank zu verdienenden Provisionen! Kunden, die Aktien nur halten, sind aus Ertragssicht für Banken wenig lukrativ. Beispiele für das Scheitern dieses Ansatzes findet man zu genüge: Dt. Telekom, Commerzbank, Nokia etc.. Mit all diesen Papieren hätte man in den letzten 10 Jahren deutliche Verluste eingefahren, wobei der Gesamtmarkt doch zum Teil schöne Gewinne geliefert hat. Aber es gibt auch Gegenbeispiele: Wer hätte nicht gerne in den vergangenen 10 Jahren Apple in seinem Depot gehabt? Exorbitante Gewinne konnte man hier erzielen. Wer zwischendurch mal ausstieg, verpasste zumeist wieder den Einstieg und damit leicht zu verdienende Gewinne. Hier war “Buy and Hold” die einzig sinnvolle Strategie. Aber auch Werte wie Henkel, Lindt & Sprüngli oder Nestle waren hier sehr interessant. Auch mit diesen Werten lag man in den vergangenen Jahren sehr richtig und konnte diese stets im Depot belassen. Welche ist denn die richtige Strategie für den Privatanleger? Kaufen und halten, das geht nach wie vor. Kaufen und dann vergessen, dass passt allerdings nicht. Längerfristiges anlegen erfordert eine sehr sorgfältige Auswahl der Wertpapiere, in bewegten Zeiten wie heute umso mehr. Nach Kaufentscheiden ist das Wertpapier-Portfolio laufend zu überwachen. Nicht minütlich und auch nicht stündlich, aber in gebotenen Zeitabständen. Verändern sich später die Unternehmen gravierend, ändert sich das Umfeld, oder ändern sich die handelnden Personen in der Unternehmensspitze, dann ist gründlich abzuwägen. Falls bei dieser Abwägung negative Tendenzen überwiegen, so sind die Aktien am Besten schnell zu verkaufen. Damit sollte man stest gut “aufgestellt” sein und nur selten Verliereraktien im Portfolio mitschleppen. PS. Durch das anklicken der Überschrift kann man im Übrigen die Einträge kommentieren. Freue mich über Ihr Feedback!